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In der westlichen Lüneburger Heide unweit von Neuenkirchen-Gilmerdingen liegt zwischen hohen Bäumen und Weideflächen der Friesenhof Steinberg. Hier haben Marliese und Klaus Janßen in den letzten Jahren eine vorbildliche Reit- und Fahrschule aufgebaut. Betritt man den Hof durch ein schweres Eisentor, wird der Besucher zunächst von einer lustigen Familie Jack Russels lautstark begrüßt. Erst wenn man die zutraulichen Wächter genügend beachtet hat, kann man sich weiter umsehen. In einem liebevoll gestalteten Park fällt zunächst die helle, freundliche Halle auf. Im rechten Winkel dazu liegt der luftige Hauptstall. Das Heu ist köstlich. Der Schwerpunkt des Betriebes liegt auf der Zucht und Ausbildung friesischer Reit- und Fahrpferde. Regelmäßig unterrichtet auch Nicole Künzel Pferd und Reiter nach den Grundlagen der klassischen Dressur. So lag es nahe, eine absolute Autorität für diesen Zweig der europäischen Reitkultur auf den Friesenhof zu holen.
Bereits 2007 gelang es, den langjährigen Bereiter der Spanischen Reitschule zu Wien, Herrn Oberbereiter Andreas Hausberger, zu gewinnen. Nach dem großen Erfolg des ersten Lehrganges versammelten sich am 9. August erneut eine Gruppe von 8 aktiven Reiterinnen mit Pferd, zumeist „Wiederholungstäter“ und ca. 50 Zuschauer auf dem Friesenhof Steinberg. Eswar eine bunte Gesellschaft, die sich dem strengen aber charmanten Lehrer stellte: Der gewaltige Friese Zorro C., ein älterer Berber, ein Lusitano, zwei Andalusier und ein kleines Pony, das Lektionen der Hohen Schule am langen Zügel zeigte. Natürlich bildet man in Wien jedes Pferd nach den Regeln der klassischen Reiterei aus. Diese Grundsätze gehen auf den griechischen Kavallerieoberst Xenophon zurück. Im 18. Jahrhundert griff der französische Stall-meister Robinchon de la Gueiniere diese alten Erkenntnisse auf und formulierte die heute gültigen Regeln der Ausbildung. Verblüffend war für uns die konsequente Schulung des Sitzes. Als eine talentierte Reiterin eines etwas aufmüpfigen andalusischen Hengstes immer wieder ihren Sitz korrigierte und ihr Pferd an die Hilfen stellte, lösten sich die Probleme wie von selbst. Andreas Hausberger konzentrierte sich 100 %ig auf seine jeweiligen Schüler. In Wien werden junge Hengste auch regelmäßig an der Hand von zwei Bereitern am Boden ausgebildet. Die Pferde werden ausgebunden auf Kappzaum auf den Hufschlag geführt und dann zum Tun angeregt. Werden sie jetzt an den richtigen Stellen touchiert, z.B. zwischen Sprunggelenk und Fessel, fangen sie fast automatisch an zu piaffieren. Ähnlich wie die Lektionen Schultervor, Schulterherein und Kruppherein (auch Travers genannt) ist die Piaffe eine wichtige Grundlage, die Aktivität der Hinterhand zu schulen. Auffallend war die Konsequenz: Wurde das Pferd in den verschiedenen Lektionen geritten, blieb es stets „an den Hilfen“. Jedes Pferd ging nach wenigen Minuten besser. Immer wieder wurden Mensch und Pferd für gelungene Übungen gelobt und motiviert. Die Grundlagen der deutschen Ausbildung gehen auf die Heeresdienstvorschrift der alten deutschen Kavallerie zurück. Sie unterscheiden sich für das junge Pferd kaum von der Ausbildung in Wien. Aber leider halten wir uns oft nicht an unsere eigenen Richtlinien. Einmalig im Vergleich zu den Reitschulen in Jerez und Saumur ist jedoch in Wien der Sitz und die unsichtbare Einwirkung der Bereiter, die nie alleine reiten, sondern sich täglich untereinander beobachten.
Aufgelockert wurde der Lehrgang von gemeinsamen Kaffeepausen und dem Essen in unserem Stammlokal in Neuenkirchen, bei dem Andreas Hausberger mit Geduld viele Fragen beantwortete. Ich bin sicher, dass das Dressurwochenende auf dem Friesenhof Steinberg zu einer Tradition werden kann, aber dann bleiben wir eine Woche.
Text: Dr. Hansjürgen Flügel
Fotos: Klaus Janßen
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